Alle Jahre wieder…

…freuen wir uns, dass Weihnachten bald wieder vorbei ist. Aber vielleicht geht es auch anders.

 

Weihnachten, die stressigste Zeit des Jahres?

In gewisser Weise ja. Weihnachten ist die Zeit der maximalen Reizüberflutung. Die Straßen und Öffis sind voll. So voll wie zu keiner anderen Jahreszeit. Normalerweise ist der Konsum auf das ganze Jahr gut aufgeteilt, weil Geburtstage und kleinere (Familien-)Feste über das ganze Jahr verstreut sind. Zu Weihnachten suchen alle Menschen gleichzeitig Geschenke.

Und für den Handel bricht das Highlight des Jahres an. Also begegnen uns neben großen Menschenmassen auch viel mehr Verkaufsstände in und außerhalb von Geschäften, blinkende Lichter, bewegte Püppchen, trällernde Musik. Es ist nicht einfach, sich da einen Weg durchzubahnen, geschweige denn das richtige Geschenk zu finden.

Hinzu kommt unser beruflicher Stress. Denn Weihnachten heißt auch, dass das Jahr zu Ende geht. Zeit der Abschlussberichte, Bilanzen und Budgetplanungen für das nächste Jahr. Dazwischen ein paar Weihnachtsfeiern, auf denen man sich fröhlich blicken lassen sollte.

 

Eine schöne Bescherung

Und dann gibt es noch den inneren Stress. Den Stress, den wir uns selber machen. Das Weihnachtsfest soll das schönste Fest des Jahres werden. Mit tollen Geschenken, einer blitzblanken und festlich geschmückten Wohnung, herzhaftem Essen und einer harmonischen Familienstimmung. Nur dass die wenigsten Familien harmonisch sind.

Viele Menschen fürchten sich schon wochenlang vor dem großen Familientreffen. Vor den aufgesetzten Lächeln und dem Gefühl, sich doch nicht viel zu sagen zu haben. Vor schwelenden Familienkonflikten, denen man bisher erfolgreich aus dem Weg gehen konnte. Vor alten Mustern, in die man jedes Jahr wieder fällt, obwohl man doch endlich erwachsen geworden ist.

Und gar nicht wenige Menschen fürchten sich vor der Einsamkeit. Wenn alle anderen vermeintlich glücklich mit ihrer Familie feiern, während sie selbst keine Familie haben oder nicht mehr dazu gehören. Weihnachten, das Fest der Familie, macht vielen Menschen ihre soziale Isolation bewusst.

 

7 Tipps, wie Sie im Weihnachtswahnsinn zur Besinnung kommen:

1. Entschleunigen. Der Reizüberflutung und die vollen Öffis können wir leider nicht ändern. Aber wir können unsere Einstellung dazu ändern und uns innerlich dafür rüsten. Ich versuche mich von der Hektik nicht anstecken zu lassen, sondern im Gegenteil zu entschleunigen. Ich gehe bewusst langsamer, lasse die rasenden Menschen lächelnd vorbei, beobachte das bunte Treiben humorvoll und lenke mich mit angenehmer Musik aus meinen Kopfhörern ab.

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2. Gezielt einkaufen. Der Shopping-Overkill lässt sich vermeiden, in dem Sie eine Einkaufsliste mit allen Geschenken, Dekoartikeln etc. schreiben und sich schon zu Hause überlegen, wo Sie was bekommen. Vielleicht ist es auch möglich, ein paar Stunden des wohlverdienten Zeitausgleiches für einen entspannteren Shopping-Vormittag, an dem noch weniger los ist, zu nutzen. Ich nehme mir gerne einen halben oder auch ganzen Tag für eine geplante Geschenke-Tour vor. Die Anstrengung hält sich dabei in Grenzen, weil ich einen ganzen Tag lang ohne Termindruck dem Weihnachtswahn und Sinn fröhnen darf und am Ende des Tages meine Gedanken wieder frei für Anderes sind.

3. Zeit schenken. Ich stelle mir auch jedes Jahr aufs Neue die Frage, wie sehr ich auf den Konsumwahn einsteige. In der heutigen Zeit haben die meisten Menschen alles, was sie zum Leben brauchen. Wenn ich Menschen frage, was sie sich denn zu Weihnachten wünschen, bekomme ich meistens dieselben Antworten:  „Zeit für mich“,  „Zeit für meine Familie / Freund*innen“ oder „Urlaub“. Ein gemeinsamer Winterspaziergang, ein Ausflug in die Therme oder ein gemütliches Abendessen sind doch für uns beide eine schöne Auszeit.

4. Zeit für Sinnliches. Abseits des Trubels ist Weihnachten auch die Zeit der Sinne. Überall riecht es nach Zimt, Gewürznelken, Orangen oder Tannen. Es werden Kekse gebacken und Punsch gekocht. Kerzen oder der Kamin angezündet. Viele Straßen und Gärten haben (nicht immer 😉 ) stimmungsvolle Lichter, kleinere Christkindlmärkte führen inspirierende Selfmade-Waren. Lassen Sie die Stimmung bei einem Adventspaziergang  oder einem gemütlichen Beisammensitzen zu Hause auf Ihre Sinne wirken!

5. Weniger ist mehr. Viele Menschen, v.a. Mütter, stecken so viel Arbeit in die Vorbereitung des Weihnachtsfestes, sodass sie dann das eigentliche Fest gar nicht mehr genießen können. Denken Sie auch oft „ich bin froh, wenn es endlich vorbei ist“? Dann ist es Zeit für eine Reduktion. Reduzieren Sie einmal in Gedanken das Fest auf das Wesentliche, was brauchen Sie unbedingt für das Fest? Ich nehme an einen Baum, Essen und ihre Familie. Schade, wenn Sie dann für ein anspruchsvolles Essen stundenlang in der Küche stehen und gar nichts von ihrer Familie haben. Oder wenn sie so ausgelaugt sind, dass sie sich nicht mehr über die liebevoll gestalteten Geschenke ihrer Kinder freuen können. Was würde Ihre Familie zu einer entspannten Mama sagen, die es einmal nicht so genau nimmt, sondern Zeit für einen Spieleabend vor dem Christbaum hat?

6. Selbstbestimmung. Weihnachten eignet sich nicht für das Lösen von Familienkonflikten. Trotzdem muss man nicht jedes Jahr aufs Neue über die eigenen Grenzen gehen. Überlegen Sie einmal, wie Sie am liebsten Ihr Fest gestalten würden. Wer sollte dabei sein? Wo sollte es stattfinden?

Auch wenn nicht alles realisierbar ist, stellen Sie sich folgende Fragen: Müssen alle Familienmitglieder am 24. zusammenkommen oder kann man die Feier auch auf mehrere Feiertage aufteilen? Müssen Sie auf jeder Feier von Anfang bis Ende bleiben, oder reicht es auch, wenn Sie ein paar Stunden vorbei schauen und wieder gehen, wenn es für Sie genug ist? Müssen Sie dort wirklich übernachten oder gäbe es eine andere Möglichkeit?

Anfangs ist es für Ihre Familie ungewohnt, wenn Sie sich abgrenzen und neue Verhaltensmuster zeigen. Jedoch kommt es langfristig allen zu Gute, wenn Sie kürzer, dafür präsenter und fröhlicher dabei sind. Oft sind andere Familienmitglieder froh darüber, dass endlich mal jemand aus der Reihe tanzt und sich das eingefahrene Familiensystem, das 30 Jahre später gar nicht mehr passend ist, ändern darf. Auch wenn sie es nie zugeben würden 😉

7. Feiern Sie mit anderen! Viele Pfarren, Nachbarschaftszentren, Vereine etc. veranstalten Weihnachtsfeste, die offen für alle Menschen sind, mit und ohne Familie, mit und ohne Budget. Diese Feste bringen alle Menschen zusammen und sind sehr liebevoll gestaltet. Es ist immer wieder schön, an solchen Festen teilzuhaben und mit anderen in Kontakt zu kommen. Trauen Sie sich hinzugehen, Sie werden viele offene Gesichter erleben!

>>> In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit und einen erholsamen Jahresausklang!

 

**Bilder: fotolia.de, Mag.a Claudia Altmann

 

 

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